Lebensmittel online kaufen

Amazon hat heute angekündigt, dass sie in den USA frische Lebensmittel über das Internet verschicken wollen. Zunächst wird man mit einem regionalen Piloten im heimatlichen Seattle starten.

Lebensmittel stellen im E-Commerce immer noch eine Besonderheit dar, was nicht zu letzt an den Herausforderungen an die Logistik liegt. Im Dotcom-Hype gab es zahlreiche Projekte, die sich mit dem Thema beschäftigten.

Die Vergangenheit

Zwei der größten Online-Supermarkt Projekte in den USA waren Webvan und Kozmo. Webvan versuchte mit eigenen Lagern und eigener Lastwagenflotte den Lebensmittelmarkt zu revolutionieren. Nachdem man innerhalb von drei Jahren 1,2 Milliarden US-Dollar verbraucht hatte, schloss man 2001 die Pforten. Kozmo, an dem unter anderen Amazon beteiligt war, musste ein paar Monate früher die Segel streichen.

Auch in Deutschland gab es einige ambitionierte Projekte. Spar war mit seiner Tochter Einkauf24 aktiv (und nach kurzer Zeit wieder offline) und auch Händler, die nicht aus dieser Branche kamen, versuchten es mit Lebensmitteln im E-Commerce: Otto bot zumindest für den Raum Hamburg mit dem Otto-Supermarkt ein Komplettsortiment an. Deutschlandweit verzichtete man ansonsten aber auf frische Waren. 2003 war dann aber auch dieser Ausflug beendet.

Die Gegenwart

Wie sieht also die Gegenwart des Lebensmittelhandels über das Internet aus?

2006 wurden laut Bitkom immerhin rund 122 Mio. Euro mit Lebensmitteln über das Internet umgesetzt und die Tendenz ist steigend.

Bitkom - Online-Umsatz mit Lebensmitteln

Frische Lebensmittel werden heutzutage in Deutschland in einigen Ballungsgebieten online verkauft. So findet man folgende regional agierende Komplettsortimenter:

Kaiser’s Tengelmann

Bundesweit verschickt doit24 frische Lebensmittel.

Ein sehr schönes Beispiel für den Online-Versand von Lebensmitteln findet man in der Schweiz: LeShop.ch, eine Tochter der Migros, verschickt Lebensmittel in die gesamte Schweiz.

LeShop.ch

Nachdem also viele der großen Projekte aus der Dotcom-Zeit eingstampft wurden, gibt es sie also sehr wohl noch. Die meisten nutzen einen regionalen Ansatz und haben hinter sich einen großen Offline-Supermarkt oder eine ganze Kette stehen. Die Entwicklung ist aber bestimmt nicht am Ende angekommen.

Mal sehen, wer als nächstes in den Markt kommt. Vielleicht wird es Amazon, wenn der Pilot glückt. Vielleicht wird es eine der Supermarktketten, die schon im Netz vertreten sind oder ins Netz zurückkommen. Oder es findet sich ein ganz neues Startup, dass es wirklich schafft, diesen Markt zu revolutionieren.

Mehr zum Thema:
Internet Retailer: Amazon gets fresh with an expanded grocery service

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6 comments:

  1. Thorsten Wilhelm, 5. August 2007, 9:32

    Ich denke, dass es auch Amazon recht schwer haben wird; ich nutze das Web schon seit 1996, hab nur wenig “freie” Zeit, bin aber bisher noch nie auf die Idee gekommen Lebensmittel “online” einzukaufen, im Sinne eines Versorgungseinkaufs; das erledige ich derzeit immer Freitag Abend oder am Samstag; eine Ausnahme: Kauf von “besonderen” Lebensmittel, die man in dieser Form nicht “um die Ecke” im Supermarkt bekommt; da hab ich schon mal bei www.genusshandwerker.de “zugeschlagen” – und werde es wohl nochmal tun. In diesem Bereich – hochgradig spezialisierte Lebensmittelhändler, die hochwertige Ware vertreiben – sehe ich derzeit eine Chance für den Absatz von Lebensmitteln über das Web.

     
  2. Sebastian, 5. August 2007, 10:03

    Dass der Versand von Lebensmitteln möglich ist, beweist einer unser Kunden seit Jahren. Der Versand ist allerdings recht aufwändig.

    Dieser verkauft Tiefkühlkost.
    Lieferungen sind nur innerhalb von Deutschland mit der Post möglich. Wichtig ist in dem Fall, dass der Kunde die Pakete auch entgegen nehmen kann.

    Ich persönlich würde mir meinen normalen Wochen-Einkauf aber auch nicht im Internet bestellen. Gerade wo die Ladenöffnungszeiten ausgedehnt wurden. Bis 22 Uhr sollte man es eigentlich schaffen.

     
  3. tobias, 5. August 2007, 11:49

    Ich selbst habe auch noch keine Lebensmittel online bestellt. Allerdings fänd ich das nicht unpraktisch. So schön sind Supermärkte ja nicht.

    Ich denke, der Lebensmittelverkauf über das Internet wird sich in Zukunft noch stark weiterentwickeln. Zwei Dinge fallen mir spontan ein, die die Entwicklung noch treiben werden:
    1. Die Alterung unserer Gesellschaft und die damit entstehende Schicht der “Silver Surfer”. Gerade für Menschen, für die es schwierig ist einzukaufen, könnte der Online-Kauf von Lebensmitteln eine starke Erleichterung sein.
    2. Die Küche der Zukunft. Die ersten Kühlschränke verbinden sich bereits mit dem Internet. Warum soll die Küche nicht die verbrauchten Lebensmittel registrieren und daraus einen Einkaufszettel generieren. Wenn ich diesen Einkaufszettel dann noch über einen Touchscreen anpassen kann, dann wäre es das Einfachste, diesen einfach an den Händler der Wahl im Internet weiterzuleiten.

    Bis jetzt noch Zukunftsvision. Aber so unrealistisch hören sich die beiden Szenarien nicht an.

     
  4.  

    [...] läuft nur ein Versuch mit einem Dutzend Lastwagen in einigen Vororten von Seattle. Die Lebensmittel sollen einen Tag nach Bestellung ausgeliefert werden. Damit Milch, Fleisch, Obst [...]

     
  5. Rainer, 21. April 2009, 10:04

    Hallo! Toller Beitrag!

    Möchte mich bei euren Meinungen anschließen! Der Versand von Lebensmittel über das Internet ist ein sehr heikles Thema! Aber Mit einer Nische in der Nische könnte es möglich sein! Zumindest ich versuche das gerade mit meinen Studienkollegen! Gebt uns doch Feedback!

    LG Rainer

     
  6. Maria, 7. Dezember 2010, 19:37

    Hallo,

    ich finde das total okay mit dem Versand! Ich wohne in Großbritanien, in Manchester und wir bestellen fast alles online. Fleisch ist das einzige was wir noch selbst abholen. Da gibt es einfach Mitarbeiter die dir die Speisen die du online bestellt hast im Laden mitnehmen und vorbei bringen.

    Der Nachteil ist das man vielleicht die Dinge bekommt die bald ablaufen statt das man sich die raus sucht, die noch länger halten!

    Was aber auch in Österreich schon langsam im kommen ist sind wollen die online Essen Bestellungen Webseiten wie www.imeal.eu die ziemlich gut funktionieren. Das funktioniert noch alles leider nicht optimal aber oft schon besser als wenn man direkt beim Italiener eine Pizza bestellt.

     

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