Kataloge als Vorbilder für Webseiten
In seinem Vortrag auf der Insight E-Commerce kritisierte Martin Groß-Albenhausen das viele Webseiten bisher die in 50 Jahren erprobten und untersuchten Praktiken aus dem Katalogversand nicht berücksichtigen. Gerade im Bereich dem Endkunden entsprechende Anstösse zu liefern, seien Webseiten bisher noch weit hinter den Katalogen zurück. Während in Katalogen sehr stark auf das Umfeld (Fläche in denen keine Produkte beworben werden) geachtete wird und dort nichts ungenutzt lässt, um dem Kunden Anstösse zu liefern, sind Webseiten immer noch pure Auflistungen von Produkten.
Erst langsam würden zumindest einige Dinge umgesetzt. Wobei hier nicht gemeint ist, dass man seinen Printkatalog als PDF zum Download anbieten sollte oder einen blätterbaren Katalog in Flash. Gerade letztere werden ja aktuell immer häufiger angeboten. Meiner Meinung ist dies ein Versuch Katalogprinzipien auf das Medium Internet zu transferieren. Aus meiner Sicht ist dies aber nicht der passende Ansicht. Man könnte genauso gut eine Zeitung im Fernsehen zeigen.
Dem Händler sollte es viel mehr darum gehen, seine normalen Internetseiten derart zu gestalten, dass dort schon die passenden Anreize geschaffen werden.
wurden denn irgendwelche beispiele genannt, welche elemente aus katalogen sinnvoll auf websites genutzt werden können? danke
In dem Vortrag lag die Konzentration mehr darauf, bestimmte Aspekte der Kataloggestaltung zu zeigen.
Die meisten Beispiele hatten mit der menschlichen Wahrnehmung zu tun. So nimmt der Mensch große Dinge eher wahr als kleine. Schaut man sich die Darstellung in den meisten Shops an, so hat man meist eine ziemlich gleichförmige Darstellung.
Auch das Thema Preisemotion wird in Katalogen oft besser behandelt, als auf Webseiten. Dazu gehören z.B. die Aufmacher für Angebote usw..
Ebenfalls in den Themenbereich der Emotionen gehört, dass man in Katalogen z.B. Gesichter schneller wahrnehmen als die meisten anderen Dinge und das fröhliche Gesichter hier positive Emotionen erzeugen. In Katalogen findet man daher sehr viele freundliche Gesichter, auf Webseiten bisher aber eher wenige.
Mit Katalogen wird darüber hinaus versucht den Menschen generell in eine gewisse emotionale Stimmung zu versetzen, die den Kaufimpuls fördern soll. So findet man beim Outdoor-Versender Globetrotter im Katalog zuerst zahlreiche Bilder von schönen Landschaften (Berge, Seen …). Das Abenteuer ruft quasi schon nach wenigen Katalogseiten. Das Blättern im Katalog wird zum Erlebnis. Leider schaffen dies Internetseiten bisher nicht.
Als letztes gab es noch ein schönes Experiment zur Wahrnehmung: Die Zuschauer bekamen die Aufgabe, sich zu merken, was auf der nächsten Folie auf der rechten Seite zu sehen war. Die Folie wurde anschließend ungefähr eine Sekunde gezeigt. Rechts war ein Produkt zu sehen, links das Dekolleté einer Frau. Ich glaube, ich muss nicht sagen, was das Ergebnis war.
In Katalogen nutzt man all diese Effekte. Internetseiten erinnern dagegen vielfach an … Einheitsbrei.
vielen lieben dank für die infos
Nach diesem Vortrag zu schliessen wäre dies hier ein Beispiel wie man es nicht machen sollte, oder wie?
http://www.produkte24.com/cy/alpina-2457/sportsglasses-2007-2008-12349.html
Ich bin sicherlich kein Katalogexperte, daher möchte ich den Katalog selbst nicht beurteilen. Diesen aber im Internet als Blätterkatalog zu nutzen, finde ich allerdings unpassend. Zum einen ist die Umsetzung hier nicht wirklich gut. Bei meiner Bildschirmauflösung von 1600×1200 kann ich zwar die ganze Katalogdoppelseite sehen, kann aber die Texte kaum lesen. Zoome ich auf eine bessere Größe heran, werden die Schriften und Bilder pixelig.
Zum anderen finde ich das Prinzip des Blätterkataloges unpassend. Wie schon in meinem ursprünglichen Beitrag erwähnt, denke ich, dass man hier versucht alte Prinzipien in ein neues Medium zu übernehmen. Es wirkt aber aus meiner Sicht immer deplaziert.
Im Internet möchte ich z.B. bei den dargestellten Sportbrillen die Möglichkeit haben, diese bis auf eine nahezu beliebige Größe heranzuzoomen und immer noch ein scharfes Bild zu haben, sie zu drehen und zu wenden, um sie von allen Seiten ansehen zu können und natürlich mehr Informationen als nur die möglichen Farben. Warum gibt es zu einer genialen Sportbrille im Internet nicht ein Video von einem Sportler, der diese in Aktion trägt? Und wie sieht es mit Anwendermeinungen aus?
Die Liste ist wahrscheinlich noch beliebig erweiterbar und die meisten Dinge lassen sich in einem Katalog nicht realisieren. Ansprechende Produkte brauchen eine ansprechende Darstellung auf Webseiten, die Emotionen weckt und keinen Blätterkatalog. Wobei ich mir noch eine Ausnahme vorstellen könnnte: Wenn der Blätterkatalog quasi fließend in eine Multimedia-Präsentation übergeht. Die Abbildung eines Skifahrers auf einer Piste könnte plötzlich zu einem Video werden, so dass dieser in Aktion zu sehen ist. Aber auch hier würde man z.B. weit über die heute üblichen Kataloge hinaus gehen.