Zunächst mal ein kleiner Exkurs. Gestern habe ich den Wind genutzt, um mal wieder meinen Lenkdrachen steigen zu lassen. Leider hat ein kleiner Junge einen anderen Drachen losgelassen und dieser hat sich im Flug in meinen Schnüren verfangen. Das Ergebnis war, dass eine der beiden Schnüre unter der Last gerissen ist. Was macht man also, wenn es lokal keinen entsprechenden Laden gibt? Man sucht im Internet.
Ich muss sagen, die Auswahl an guten Online-Shops für Drachenzubehör im Netz hält sich noch ziemlich in Grenzen. Meinen ersten Versuch habe ich gestern dann bei Flying Colors gemacht. Der Shop hatte den Vorteil, dass ich schon das Ladengeschäft kenne und dort bereits eingekauft habe. Ein durchaus gut gemachter Shop und es gibt die Möglichkeit per Rechnung oder Paypal zu bezahlen (die direkte Kreditkartenzahlung hat mich nicht 100% überzeugt – konnte auf die Schnelle nicht erkennen, ob ein Dienstleister dahinter steht). Also neue Schnüre für 18 Euro in den Warenkorb gelegt und zur Bezahlung. Versandkosten von 5 Euro sind auch noch im Rahmen (hatte ich vorher extra nachgelesen). Als ich dann allerdings zur Seite mit der Auswahl der Versandmethode kam, stand dort bei den Versandkosten 10 Euro. Nach ein wenig nachforschen habe ich dann entdeckt, dass es einen Mindestbestellwert von 25 Euro gibt und für kleinere Mengen ein Mindermengenzuschlag von 5 Euro verlangt wird (im Laufe des Abends habe ich noch einen weiteren Shop entdeckt, bei dem man unter 25 Euro gar nicht erst zur Kasse gehen konnte).
Bestellt habe ich dann bei Jay-Lee’s. Technisch und gestalterisch fällt dieser Shop zwar gegenüber dem vorher genannten eindeutig ab, aber die Produkttexte sind sehr gut, die Versandkosten auch noch im Rahmen (6 Euro), man kann auch per Rechnung bezahlen und es gibt keinen Mindestbestellwert.
Nun also zurück zum Titel des Beitrags. Warum gibt es einen Mindestbestellwert? Der Sinn dahinter ist, dass sich Bestellungen meist erst ab einer bestimmten Warenkorbgröße lohnen. Unterhalb dieses Schwellwertes sind die Kosten für den Versand der Bestellung (Ware kommisionieren, verpacken, versenden) zu hoch. Eigentlich verständlich.
Allerdings sollte man genau abwägen, wo diese Grenze liegen sollte, denn der Kundenbindung dient sie nicht. Man sollte sich also schon fragen, ob man nicht bei manchen Bestellungen zum Wohle des Kunden auch mal einen minimal negativen Deckungsbeitrag akzeptiert. Der Kunde wandert dann nicht zur Konkurenz ab, wird sicherlich auch mal mehr kaufen und gutes darüber erzählen.
Meine Erfahrungen mit der Drachenschnur ist hier ein Beispiel. Klar möchte der Shop nur ungern jeden 1,50 Euro Artikel (z.B. einzelne Carbon-Stangen) einzeln versenden. Die Schnur ist aus meiner Sicht aber durchaus schon ein höherpreisiger Artikel. Und vielleicht könnte es auch interessant sein, dem Kunden es zu ermöglichen seine einzelne Ersatzstange zu bestellen, wenn dadurch die Wahrscheinlichkeit hoch ist, dass er auch seinen nächsten Drachen wieder im Shop kauft.
Ich habe heute auch mit einem Kollegen gesprochen und er hat mir ein anderes Beispiel genannt, wo ich sofort zustimmen würde, dass der Mindestbestellwert sinnvoll ist: In einem Textilgeschäft wurden vor Einführung des Mindestbestellwertes immer wieder nur einzelne Paare Socken gekauft.
Vermutlich kommt es sehr stark auf die Warengruppen an, ob sich ein Mindestbestellwert lohnt oder nicht. Bei Spezialversändern mit anspruchsvoller Kundschaft würde ich eher dazu tendieren keinen Mindestbestellwert zu erzwingen. Denn einmal überzeugt, wird diese Kundschaft schnell zu Stammkundschaft, die auch höherwertige Artikel kauft.
Bei Massenware, wie z.B. Socken, verstehe ich schon eher, dass man einen Mindestbestellwert einführt. Hier kann man auch schneller mal ein zweites Paar dazu bestellen (was soll ich z.B. mit zwei Paar Schnüren für meinen Lenkdrachen oder ein paar Carbon-Stangen, die ich nicht benutzen kann).