Die neue Quelle

Eine „neue Quelle“ könne stationär in der Fläche vertreten bleiben, könne weiterhin im Printbereich mit Katalogen arbeiten (die Planungen für den Hauptkatalog Frühjahr/Sommer 2010 laufen) und elektronischer Handel und mediale Vertriebskanäle verstärkt nutzen. Die „neue Quelle“ im Verbund der Primondo könne Universal-Versand und Spezial-Versender bei profitablem Deutschland- und wachsendem Auslandsgeschäft integrieren. Die „neue Quelle“ könne ihren Kunden virtuelle wie reale Berührungs- oder Kontaktpunkte anbieten, nicht zuletzt über den Kundendienst der „Profectis“. (Quelle: Arcandor Presse)

Nicht wenige sehen in der Insolvenz der Quelle eine große Chance das Geschäft endlich neu zu ordnen und in Richtung Zukunft auszurichten. Ich bin gespannt, wie weit man sich traut und sich von altem Ballast verabschiedet.

Vision Online Shopping und Semantic Web

Das Semantic Web wird in Zukunft dafür sorgen, dass Produktdaten strukturiert verfügbar sind. Diese strukturierten Daten werden von Herstellern und Händlern auf ihren Webplattformen zur Verfügung gestellt, von wo sie von verschiedenen Suchmaschinen und Portaldiensten abgeholt werden und für Benutzer bereitgestellt werden.

Der Online-Käufer bewegt sich innerhalb der Suchmaschinen und Portale, wo er direkten Zugriff auf einen riesigen Produktbestand hat. Zu diesen Produkten kann der Nutzer direkt auf Herstellerinformationen, Informationen von Händlern und auch Nutzern zugreifen (z.B. in Blogs veröffentlichte Artikel und Bilder).  Der Käufer hat nun direkt die Möglichkeit das Produkt aus dem Portal heraus zu bestellen. Der Händler übernimmt nur noch das Fulfillment und den Kundenservice.

Das würde natürlich bedeuten, dass Online-Shops der heutigen Machart, zumindest was normale Universalversandhändler betrifft, an Bedeutung verlieren werden. Oder sie werden selbst zu einem Portal, das die ganzen Informationen entsprechend integriert.

Das ist eine subjektive Vermutung. Mal sehen, wie es wirklich kommt.

Bonitätsprüfung

Da ich letzte Woche auf einer interessanten Veranstaltung von Arvato Infoscore war und nächste Woche einen Vortrag auf dem Payment-Kongress halte, beschäftigt mich gerade das Thema Bonitätsprüfung.

Das Szenario für einen Online-Shop ist ja denkbar einfach: Möchte ein Kunde im Shop bestellen, schickt der Shop möglichst vor der Auswahl der Bezahlmethoden den Namen und die Anschrift an einen Dienstleister, der mir dann einen Scoring-Wert zum Kunden liefert. Der Scoring-Wert hat überwiegend drei Entsprechungen:

  • Neutral bzw. der Kunde ist unbekannt: Es gibt keine Bonitätsinformationen zum Kunden.
  • Geringes bis durchschnittliches Risiko: Es liegen Informationen vor aber keine Beanstandungen.
  • Überdurchschnittliches bis sehr hohes Risiko: Es liegen negative Informationen aus der Vergangenheit oder aktuelle Negativinformationen vor.

Je nach Scoring-Wert kann der Online-Shop dann entsprechend risikoarme (wie z.B. Vorauskasse) oder risikoreichere (z.B. auf Rechnung) Zahlungsmethoden anbieten.

Um die Scoring-Werte zu verbessern arbeiten die Dienstleister heute oft mit ausgeklügelten Data-Mining-Methoden.

Denkt man allerdings mal genauer nach, kann man sich schon die Frage stellen, ob das Scoring während der Bestellung das Optimum darstellt, schließlich lässt der Bonitätsdienstleister wesentliche Informationen ungenutzt.

In vielen Shops werden daher zusätzliche Regeln genutzt. So hat sich z.B. bei einigen Shops bewährt, Bestellungen, die knapp unter dem Maximum für die Bezahlart „offene Rechnung“ liegen auf eine Prüfliste zu setzen und genauer unter die Lupe zu nehmen.

Auch die Zusammensetzung des Warenkorbs sollte genauer beobachtet werden: Mir hat mal jemand erzählt, dass bei Online-Apotheken die Kombination aus Babynahrung und Vitramintabletten mit einer großen Wahrscheinlichkeit auf einen Betrugsversuch hindeutet.

Bildlich sollte man sich das vielleicht wie in einem stationären Kaufhaus vorstellen. Dort gibt es einen Kaufhausdetektiv, der potenzielle Ladendiebe dadurch erkennt, welche Regale diese ansteuern. Und er erkennt sie nicht nur daran, welche Regale sie ansteuern, sondern auch an ihrem Verhalten.

„Verhalten beobachten“ ist meiner Meinung auch das Stichwort für die Zukunft der Betrugserkennung. Ich bin mir sicher, dass in Zukunft auffällige Online-Shop-Nutzer (bestimmte Warengruppen, die Art wie sie sich durch den Shop bewegen) in Echtzeit durch entsprechende Data-Mining-Algorithmen erkannnt werden. Diese haben Zugriff auf die gesamte Datenbank des Online-Shops und können damit das Verhalten einzelner Nutzer vergleichen. Es wird also einen virtuellen Online-Shop-Detektiv geben. Dieser wird dann mit Sicherheit nicht die Bestellung verbieten, aber eben nur bestimmte Bezahlarten zulassen.

CeBIT 2009 Fazit

Letzte Woche war ich vier Tage auf dem Intershop-Stand auf der CeBIT in Hannover.  Der Stand zeigte Intershop zusammen mit zahlreichen Partnern und war wohl der Stand auf der CeBIT mit der größten E-Commerce-Expertise. Die vier Tage waren durch Gespräche mit diversen Technologiepartnern ziemlich gut gefüllt, so dass ich nichtmal groß dazu kam, mich in den anderen Hallen umzusehen.

cebit2009-booth

Ansehen konnte ich mir allerdings eine Podiumsdiskussion in der Webciety über Trends im E-Commerce. Angesprochen wurden diverse Themen von “Live Shopping” über “Internet of Services” bis “Semantic Web”. Das Thema Live Shopping wurde dort von einem der Teilnehmer bereits für tot erklärt (Der Trend wäre wieder vorbei, Portale würden schließen). Dem kann ich mich überhaupt nicht anschließen, denn es gibt zahlreiche Portale dieser Art im Netz. Natürlich wird es hier eine Konsolidierungsphase geben. Aber insbesondere Live Shopping-Angebote, die direkt an einen großen Versender angebunden sind (wie bei Alternate, MyBy und Quelle), dürften sich dauerhaft als zusätzlicher Abverkaufskanal etablieren.

Insgesamt war deutlich zu sehen, dass weniger Besucher auf der CeBIT waren und Plätze in einigen Hallen frei waren.

Next Generation E-Commerce?

Es wird ja gerne diskutiert wie E-Commerce Lösungen der nächsten Generation aussehen können. Dabei werden dann immer hübsche Flash-Prototypen gezeigt, die eine schönere E-Commerce-Welt zeigen sollen. Mir fällt allerdings auf, dass bei den meisten dieser Prototype zwar ein paar nützliche Zusatzfunktionen dazugekommen sind, aber das grundsätzliche Navigationskonzept bleibt unverändert. Es gibt z. B. weiterhin Kategorieseiten in Gitterdarstellung mit einer bestimmten Anzahl an Produktbildern darauf.

Einen ganz anderen Ansatz zeigt das folgende Video vom September 2007:

Down-Selling?

Jeder, der mit E-Commerce zu tun hat, kennt eigentlich den Begriff Up-Selling. Up-Selling ist der Versuch, einem Käufer Zusatzartikel oder höherwertigere Artikel zu empfehlen, so dass der Warenkorb des Käufers am Ende einen höheren Wert enthält. Also ein durchaus erwünschter Effekt.

Letzte Woche habe ich gelernt, dass es auch Down-Selling gibt. Down-Selling kann zum Beispiel bei schlecht arbeitenden automatischen Recommendation Engines auftreten. Ein Beispiel wäre ein Shop für Bücher, bei dem zum Hardcover-Buch auch die Taschenbuchausgabe empfohlen wird. Hier ist die Wahrscheinlichkeit recht hoch, dass der Käufer die günstigere Alternative wählt und damit der Wert des Warenkorbs sinkt. Down-Selling ist folglich eher unerwünscht.

Eine genutzte Recommendation Engine sollte also auf etwaiges Fehlverhalten kontrolliert werden.

E-Commerce Umsätze 2009: Die Wetten sind eröffnet!

eMarketer schätzte ja schon vor einer Weile die Online Umsätze 2009 in den USA. Heraus kam ein prognostiziertes Umsatzwachstum von 4,1%. Jetzt hat der bvh eine erste Prognose für 2009 für Deutschland vorgelegt und geht darin für den E-Commerce von einem Wachstum von mindestens 10% aus. Für den Versandhandel insgesamt geht man nur von einem Wachstum zwischen 2 und 3% aus.

Ich bin gespannt auf weitere Prognosen.

Adieu Sqoops!

Verheißungsvoll gestartet und 2007 als innovativster Online Shop ausgezeichnet, stellte Sqoops (inzwischen Tochter von Computec) heute seinen Geschäftsbetrieb ein. Anscheinend war die Konkurrenz im PC- und Videospielemarkt zu groß und das Portal passte nicht mehr in das Computec-Portfolio. Das Ganze zeichnete sich schon ab, nachdem man Ende des letzten Jahres vom innovativen Shop auf eine 0815-Präsenz umstieg.

Schade, denn der Ansatz von Sqoops war zumindest am Anfang einzigartig.

Gute Suche oder wie man es besser nicht macht

Vor nicht all zu langer Zeit wurde eine Idee an mich heran getragen, wie man eine gute, fehlertolerante Suche für Online-Shops programmieren könnte. Im Kern war die Idee recht einfach: Man notiere einfach an jedem Artikel sämtliche potenziellen Schreibweisen und Synonyme und mache sie durchsuchbar. Die entsprechende Datenbank könne man ja schrittweise aufbauen.

In der Theorie funktioniert das sicherlich recht gut. Allerdings gibt es zwei Haken:

  1. Ein Wort kann schon ziemlich viele Schreibweisen haben, zählt man alle kleinen Vertipper mit hinzu.
  2. Bei 10 Produkten mag man das ja noch hinbekommen. Bei mehreren 1000 Produkten wohl eher nicht.

Es gibt halt nicht umsonst moderne Produktsuchmaschinen, die mit Hilfe von Suchalgorithmen Ähnlichkeiten erkennen können.

Verschläft der E-Commerce das Semantic Web?

Heute kam bei mir wieder die aktuelle Ausgabe des Harvard Business Managers ins Haus. Der Themenschwerpunkt sind die 10 besten Management-Ideen für das Jahr 2009. Eine dieser 10 Thesen wird unter dem Titel “Die Neuerfindung des Internets” aufgeführt. Beschrieben wird die schleichende Technologierevolution, die das Semantic Web mit sich bringt. Die Änderungen in der Struktur des Internets, die das Semantic Web mit sich bringen wird, werden das Internet grundlegend verändern. Teile der Angebote, die es heute gibt, werden in Zukunft obsolet sein. Heute freuen sich, die als wenig innovativ gehandelten, Otto und Quelle noch über ihre gut funktionierenden Shopping-Malls im Internet, die die Verluste in ihrem herkömmlichen Geschäftszweigen ausgleichen. Was aber, wenn durch die Änderungen, die das Semantic Web mit sich bringt, diese Seiten innerhalb kurzer Zeit auf das Abstellgleis geraten. Was wenn selbst die als innovativ eingestuften Unternehmen innerhalb kurzer Zeit durch eine Technologierevolution ins Abseits geraten?

Das Semantic Web wird viele Neuerungen mit sich bringen. Je früher man sich damit beschäftigt, desto besser wird man gerüstet sein. Und bisher beschäftigen sich viel zu wenige Unternehmen mit den potenziellen Auswirkungen. Der Artikel im Harvard Business Manager ist zwar kurz, warnt aber sehr wirkungsvoll.

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