Bei Online-Auktionen zahlt man freiwillig mehr?

Interessantes liest man heute auf Heise. Wissenschaftler haben eine Studie im Wissenschaftsmagazin Science veröffentlicht, die nachweist, dass Bieter in Auktionen freiwillig mehr zahlen, als die Ware wert ist. Zustande kommt dies durch eine unterschwellige Angst vor dem Verlust von Ansehen. So erzeugt eine verlorene Auktion bei Probanden z.B. eine wesentlich stärkere Reaktion als eine verlorene Lotterie.

Eine durchaus interessante These. Jede Auktion ist halt auch immer eine Art Wettkampf zwischen den Bietern, den am Ende nur der Stärkste gewinnt. Es ist also ratsam sich selbst genau zu beobachten, wenn man an einer Auktion teilnimmt. Wer kennt das nicht, dass man kurz vor Ende der Auktion überboten wird und schnell nochmal nachlegt. Ich habe erst gerade so eine Auktion gehabt. Wobei ich in diesem Fall nicht behaupten würde, dass ich zuviel bezahlt habe.

Textillogistik-Kongress

Eigentlich habe ich gerade mal Urlaub. Am Donnerstag habe ich diesen aber mal für einen Tag unterbrochen und bin nach Frankfurt am Main zum Textillogistikkongress gefahren, veranstaltet von der Textilwirtschaft und der DVZ.

Textillogistik? Für mich ist das, aus dem E-Commerce-Bereich kommend, ein neuer Bereich. Da ich mich aber mit einer E-Commerce-Lösung für die Textilindustrie auseinander setze, sollte ich mir auch mal ansehen, was Textilunternehmen logistisch bewegt.

Es gab dann auch einige interessante Vorträge. Hans Fluri, COO von Hugo Boss, hat über die Produktionslogistik bei Hugo Boss vorgetragen. Ziel ist bei Hugo Boss muss es natürlich immer sein, in der Produktion und Logistik den Standards, die Kunden an die hochwertige Kleidung haben, auch gerecht zu werden.

Ebenfalls sehr gut war der Vortrag von Prof. Dr. Wolf-Rüdiger Bretzke von Barkawi Management Consultants. Er beleuchtete die Risiken, die mit dem steigenden Transportaufkommen und der damit steigenden Auslastung bzw. Überlastung der Transportwege auf die Textilindustrie zukommen. Die Auswirkungen dieses Faktors werden auf die Wahl der Produktionsstandorte in Zukunft einen ganz erheblichen Einfluss haben, der z. B. eventuelle Lohnkostenvorteile aufheben kann. Auch auf die Distribution wird der Faktor eine wesentliche Rolle spielen.

Ein Thema, das sich durch alle Vorträge zog und das zusätzlich mit einem eigenen Vortrag präsent war, war die Nachhaltigkeit. Das Schlagwort hier war immer wieder der “Carbon Footprint”. Dr. Michael Arretz von der Systain Consulting hat einige seiner Studien vorgestellt. Ein T-Shirt eines nichtnäher genannten Herstellers z. B. hat, wenn es hier in Deutschland verkauft wird, während der Produktion und des Transportes 6 KG CO2 ausgestoßen, was mehr als das 30-fache seines eigenen Gewichts ist. Beim aktuellen Kongress hat man über den Kommentar, dass man diese Zahl mit auf das Etikett drucken könnte, noch geschmunzelt. Ich kann mir aber durchaus vorstellen, dass Unternehmen, die hier einen sehr geringen Wert vorweisen können, dies in Zukunft durchaus als Wettbewerbsvorteil nutzen könnten und die Konkurrenz damit unter Druck setzen könnten.

Zwei Vorträge zu Online-Shops gab es dann auch noch. Diese brachten mir jetzt nicht wirklich neue Erkenntnisse.

Insgesamt aber eine sehr spannende Veranstaltung. Das Thema Logistik ist ein großes Feld und je mehr ich dazu höre, desto interessanter wird es – deshalb lege ich dafür jetzt auch mal eine neue Kategorie an.

Mehr als die Hälfte der deutschen Internetnutzer kauft online

Von 51 Millionen Internetnutzern in Deutschland zählten Anfang 2007 laut statistischem Bundesamt 27 Millionen zu den Online-Käufern. Bei einer Gesamtbevölkerung von 82 Millionen bedeutet das, dass jeder dritte Einwohner in Deutschland bereits Online-Käufer ist.

Dabei werden überwiegend die folgenden Produktgruppen gekauft:

  1. Bücher, Magazine, Zeitungen (50%)
  2. Kleidung und Sportartikel (48%)
  3. Private Gebrauchsgüter, wie Möbel und Spielzeug (47%)
  4. Reisen, Unterkünfte, Bahn- und Flugtickets (44%)
  5. Computer-Software inkl. PC- und Videospiele (37%)
  6. Filme und Musik (37%)
  7. Eintrittskarten für Veranstaltungen (34%)

Und bisher nur jeder zehnte Online-Käufer bestellte Lebensmittel.

Broadvision orakelt über die E-Commerce Zukunft

Broadvision, ein amerikanischer Hersteller von E-Commerce Software, hat die aus seiner Sicht für die Zukunft wichtigsten Trends im E-Commerce genannt:

  1. Kommerzialiserung von sozialen Netzwerken
  2. Personalisierung
  3. Single Identity
  4. Mobile Commerce
  5. Semantic Web

Ein paar weitere Ausführungen gibt es bei InternetRetailing.

Multivariate Tests zur Verbesserung der Website-Performance

In Online-Shops gibt es heutzutage immer mehr Funktionalitäten für Besucher.

Während z. B. eine Suche, früher nur die Eingabe eines Suchwortes mit anschließender Ergebnisliste war, kann der Suchende heute diverse Filter auf sein Suchergebnis anwenden, Sortierungen ändern und bekommt nebenher noch Cross-Selling Informationen.

Und auch eine Produktdetailseite ist nicht mehr nur die pure Darstellung eines Produkts. Produktvideos, Kundenkommentare, Bewertungen, Testergebnisse, Zubehör und weitere Produktempfehlungen werden alle auf der Seite angezeigt.

Die Frage, die sich einem Shop-Manager hier stellt, ist, wie er die Masse der Funktionalitäten ergebnismaximierend anordnen kann. Hier kommen Multivariate Tests ins Spiel. Dahinter steht ein Konzept, mit dem die Seite in verschiedene Teile zerlegt wird und diese dann nach gewissen Regeln immer wieder neu kombiniert werden. So kann man, den entsprechenden Traffic vorausgesetzt, innerhalb kurzer Zeit eine große Menge an Varianten testen und am Ende die Version nutzen, die die besten Ergebnisse verspricht.

Eine gute Einführung, wie Multivariate Test funktionieren, kann man bei Jonathan Mendez nachlesen:

Und es gibt noch ein paar weitere Artikel zum Thema von ihm.

Bisher endet der Multivariate Test dann meist mit der Auswahl der ergebnismaximierenden Variante der zu testenden Website. In Zukunft kann ich mir aber durchaus vorstellen, dass das System jedem Besucher dynamisch auf Basis verschiedener, gesammelter Parameter eine personalisierte Variante der Seite zeigt – also die Seitenvariante, die für die Benutzergruppe das Ergebnis maximiert.

FAST – Das Enron Norwegens?

FAST Search & Transfer ist mir bisher aus zwei Gründen aufgefallen:

  1. Sie haben eine interessante Suchtechnologie für Online-Shops und Unternehmensnetzwerke, die sich insbesondere durch die hohe Skalierung auszeichnet.
  2. Im Januar wurde das Unternehmen für $1,2 Milliarden US-Dollar von Microsoft gekauft.

Aktuell produziert das Unternehmen allerdings eher unrühmliche Nachrichten. Es wird dem Management von FAST vorgeworfen kostenlose Testlizenzen als potenzielle Geschäfte bilanziert zu haben. Gleichzeitig sollen ein Großteil der Umsätze mit Unternehmen erwirtschaftet worden sein, die durch dem Unternehmen nahestehenden Personen kontrolliert wurden. Ähnliche Bilanzaktivitäten hatten den US-Energieriesen Enron vor ein paar Jahren zu Fall gebracht.

Mal sehen, wie es FAST ergeht. Wobei es wahrscheinlich eher Konsequenzen für das Management als für das gesamte Unternehmen hat.

Fünf Tipps um seinen Warenkorb zu verbessern

Während des Workshops in Amsterdam habe ich ein neues Blog gefunden: Das Analytics Blog von morevisibility.

Dort gibt es u.a. fünf interessante Tipps, wie man den Warenkorb bzw. den Bestellprozess eines Online-Shops verbessern kann:

… five tips for improving your current Shopping Cart / Ecommerce system that (in my opinion, of course) can improve your sales, conversion rates, and keep your customer’s blood-pressure as low as possible.

Shopping-Erlebnis durch Empfehlungen?

Immer mehr Online-Shops setzen auf personalisierte Empfehlungen, da diese Funktion sehr gut bei Kunden ankommt. Für die Technology Review hat Michael Schrage einen lesenswerten Artikel geschrieben, der einen nicht technischen aber interessanten Einblick in das Thema Empfehlungen im E-Commerce gibt:

Die Wahrheit ist, dass ich inzwischen mehr gute Empfehlungen zu mehr interessanten Produkten von bayesschen Algorithmen erhalte als von meinen besten Freunden. Das sollte mich vielleicht etwas wehmütig machen, tut es aber nicht.

Nicht jeder Online-Shop entwickelt allerdings wie Amazon seine Empfehlungssoftware selbst. Es gibt eine Reihe Produkte, aus denen man heute auswählen kann. Zwei Platzhirsche in diesem Bereich sind Avail Intelligence (u.a. bei Neckermann) und Prudsys (u.a. bei Baur und Quelle), die beide sehr umfangreiche Softwareprodukte bzw. Services bieten.

Fashion E-Commerce Roundtable

Vor jetzt schon zwei Wochen war ich in Hamburg in den Räumen von Smatch zu Gast beim Exciting Commerce Roundtable zum Thema Mode. Da ich mich zur Zeit sehr viel mit diesem Thema auseinander setze, gab es viele interessante Diskussionen.

Thematisch sind ein paar Aussagen besonders hängen geblieben:

  • Für den Erfolg von Online-Shops im Modebereich sind primär die Relevanz und die Convenience verantwortlich. Der Preis spielt in diesem Bereich eine nachgeordnete Rolle.
  • Das Online-Einkaufserlebnis im Modebereich wird nicht nur durch ausgefeilte Präsentationskonzepte der Ware geprägt, sondern vielleicht noch zu einem größeren Teil durch soziale Komponenten. Gerade im Fashion-Bereich wird das Thema Social Shopping eine herausragende Rolle spielen.
  • Die Retourenquoten werden bei den meisten Shops deutlich hoch gehen. Während die großen Händler bereits jetzt im Modebereich Retourenquoten von zum Teil mehr als 50% haben, sind diese bei kleineren Händlern zum Großteil noch geringer. Dies wird sich mit der steigenden Affinität der Benutzer mit dem Thema Fashion Shopping im Internet ändern und manchen Shops das Genick brechen.

Alles in allem war der Roundtable eine sehr gute Veranstaltung, die von Jochen Krisch bestens vorbereitet war. Ich hoffe, dass es mal wieder einen Roundtable zum Thema Mode geben wird, werde aber auch mal schauen, ob ich zu einem anderen Thema teilnehme. Ich kann die Exciting Commerce Roundtables nur weiterempfehlen.

Fazit zur Internet World UK

Während andere also am Donnerstag einen Feiertag genossen, stand ich in London auf dem Messestand und habe Fragen zur Intershop-Software beantwortet. Wie war sie also, die Internet World UK?

Richtig vom Hocker hat mich die Messe nicht gehauen. Sie war doch sehr Online-Marketing lastig (erinnerte ein wenig an die OMD). Die Besucher setzten sich aus vielen Agenturleuten und Vertretern von zumeist kleinen Unternehmen. Da am Donnerstag, dem dritten Tag der Messe, nicht wirklich viel los war – zwei Tage reichen für ein solches Event -, hatte ich Zeit mir noch einen Vortrag anzusehen.

Imano, eine Londoner Web Agentur, zeigte etwas zum Thema “Persona-based Design”: Mit Hilfe von Datenerhebungen werden 3-5 charakteristische Profile von Nutzern einer Seite erstellt. Für diese Nutzer wird die Seite dann entsprechend angepasst. Eigentlich kenne ich ein solches Vorgehen eher als “User-centric Design”. Das Thema als solches ist durchaus interessant. Übertrieben fand ich allerdings, dass der Vortragende bestimmt in jedem Satz das Wort “Persona” erwähnte, was sich zu einer gefühlten Summe von mehr als 1000 mal in einer halbe Stunde summierte.

Ein paar interessante Stände gab es auch noch: Bazaarvoice war zum Beispiel da. Das war das erste Mal, dass ich sie auf einer Messe gesehen habe, wobei sie ja auch gerade erst in Europa loslegen. Avail Intelligence war ebenfalls mit einem Stand vertreten. Sowohl Bazaarvoice als auch Avail haben interessante E-Commerce-Lösungen im Bereich Web2.0. Ansonsten waren gleich mehrere Suchmaschinenanbieter vertreten (Fredhopper, Celebros, Endeca) und natürlich jede Menge Paymentanbieter. Der Markt der Paymentanbieter scheint einer der fragmentiertesten im E-Commerce überhaupt.

Ob ich nochmal zur Internet World in London gehen würde? Ich weiss es nicht. Momentan scheint es mir, gibt es für den E-Commerce Bereich wesentlich interessantere Messen, so z.B. den Versandhandelskongress im Herbst in Wiesbaden.

Auch andere scheinen nicht wirklich begeistert von der Internet World gewesen zu sein.

Internet World in London

Anscheinend habe ich das kürzeste Streichholz gezogen. Während die gesamte Republik am Donnerstag einen Feiertag genießen kann, werde ich in London sein und auf dem Messestand stehen.

Wobei ich nicht wirklich traurig bin. Es handelt sich nicht um irgendeine Messe, sondern die Internet World. Die Internet World ist eine der führenden Messen Europas, was E-Commerce und Internet anbetrifft. Im Gegensatz zu den meisten anderen Messen, findet man in London auch den Großteil der US-Unternehmen, die im Markt Rang und Namen haben.

Wer also am Donnerstag nichts besseres zu tun hat, findet mich auf dem Gemeinschaftsstand von Crimsonwing und Intershop.

Gap.com: Animierter Mini-Warenkorb

Hier also die erste Funktion von Gap.com: Der animierte Mini-Warenkorb.

Mini-Warenkorb von Gap.com

Jeder bessere Online-Shop bietet dem Benutzer heute eigentlich die Möglichkeit auf nahe zu jeder Seite zu sehen, dass man noch etwas in seinem Warenkorb liegen hat. Was Gap.com hier auszeichnet, ist die Animation, wenn man etwas in den Warenkorb legt. Viele herkömmliche Shops springen, sobald der Benutzer etwas seinem Warekorb hinzufügt, auf die Warenkorbseite. Der Benutzer findet sich nach diesem Sprung in einem vollkommen anderen Kontext wieder. Was ist, wenn er gerade noch eines der Cross-Selling Produkte ansehen wollte.

Geöffneter Mini-Warenkorb

Gap.com springt nicht in den Warenkorb. Fügt man hier ein Produkt zum Warenkorb hinzu, öffnet sich der Mini-Warenkorb (quasi die Einkaufstasche) und das Produkt landet darin. Der Benutzer bleibt auf der gleichen Seite und es bleibt ihm selbst überlassen, wie er anschließend weiter navigiert.

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