CeBIT 2009 Fazit

Letzte Woche war ich vier Tage auf dem Intershop-Stand auf der CeBIT in Hannover.  Der Stand zeigte Intershop zusammen mit zahlreichen Partnern und war wohl der Stand auf der CeBIT mit der größten E-Commerce-Expertise. Die vier Tage waren durch Gespräche mit diversen Technologiepartnern ziemlich gut gefüllt, so dass ich nichtmal groß dazu kam, mich in den anderen Hallen umzusehen.

cebit2009-booth

Ansehen konnte ich mir allerdings eine Podiumsdiskussion in der Webciety über Trends im E-Commerce. Angesprochen wurden diverse Themen von “Live Shopping” über “Internet of Services” bis “Semantic Web”. Das Thema Live Shopping wurde dort von einem der Teilnehmer bereits für tot erklärt (Der Trend wäre wieder vorbei, Portale würden schließen). Dem kann ich mich überhaupt nicht anschließen, denn es gibt zahlreiche Portale dieser Art im Netz. Natürlich wird es hier eine Konsolidierungsphase geben. Aber insbesondere Live Shopping-Angebote, die direkt an einen großen Versender angebunden sind (wie bei Alternate, MyBy und Quelle), dürften sich dauerhaft als zusätzlicher Abverkaufskanal etablieren.

Insgesamt war deutlich zu sehen, dass weniger Besucher auf der CeBIT waren und Plätze in einigen Hallen frei waren.

Verspäteter Rückblick zum E-Commerce 2008

Zwar verspätet aber nicht zu spät starte ich mit einem kurzen E-Commerce Rückblick in das neue Jahr.

Aus meiner Sicht haben zwei Themengebiete das Jahr 2008 besonders bestimmt: Live Shopping und Shopping Clubs.

Das Thema Live Shopping war dieses Jahr in aller Munde. Selbst das Fernsehen und Spiegel Online berichteten darüber. Dies macht sich nicht zu letzt an der Menge der Angebote aus diesem Bereich bemerkbar: Myliveshopping listet aktuell 39 Seiten. Und es gibt noch mehr. Auch immer mehr große Händler entdecken dabei das Live Shopping als interessanten Absatzkanal, so z. B. Quelle, MyBy, Mindfactory und Alternate. Allerdings musste auch einer der Vorreiter im Live Shopping die Segel streichen: Schutzgeld.de ging in Rente. Insbesondere für bestehende Versandhändler scheint das Konzept weiterhin interessant und ausbaufähig. Der Anteil im Live Shopping wird wohl 2009 weiterhin stark wachsen.

Auch die Shopping Clubs machten 2008 einen Schritt aus dem Nischendasein und finden immer mehr Anhänger. Vorreiter in Deutschland ist wohl Brands4friends, die für ihr Angebot auf dem Versandhandelkongress mit dem Innovationspreis ausgezeichnet wurden.

Das waren natürlich nicht die einzigen Themen in 2008. Im Modebereich zeigte sich, dass weiterhin mehr Marken dazu tendieren, im Internet direkt zu verkaufen. So wagte Hugo Boss erste Schritt im E-Commerce mit einem Shop in UK und C&A eröffnete nach einigen Jahren Abstinenz ebenfalls wieder einen Online-Shop.

Zahlenmäßig war 2008 natürlich wieder ein E-Commerce Rekordjahr. So vermeldete der bvh erstmals mehr Bestelleingänge über das Internet als über alle anderen Kanäle. Und auch die Umsätze stiegen weiter an:

Umsätze mit Waren und Dienstleistungen 2008: 19,3 Mrd. Euro (+ 15%)
Umsätze mit Waren 2008: 13,4 Mrd. Euro (+ 23%)
Umsätze mit Bekleidung, Textilien, Schuhen 2008: 4,6 Mrd. Euro (+ 18%)

Soviel zu 2008. Freuen wir uns auf ein spannendes Jahr 2009.

Zackzack – Live Shopping bei Alternate

Das wohl interessanteste, deutsche Live Shopping-Angebot im Computerbereich betreibt derzeit Alternate. Immer um 0:00 Uhr gibt es ein neues Produkt für einen Tag in begrenzter Stückzahl. Im Gegensatz zum gescheiterten Versuch der Konkurrenz von Cyberport aus dem letzten Jahr, gibt es bei Alternate durchaus aktuelle Ware und das zu einem sehr guten Preis. Bei meinen bisherigen Beobachtungen lag Alternates Zackzack meist unter dem günstigsten Angebot aus Preissuchmaschinen.

Dass es sich um gute Angebote handelt, merkt man auch am Leben auf der Seite. Kurz nach Mitternacht empfängt die Seite die Besucher meist schon mit der Nachricht, dass das Angebot bereits ausverkauft wäre. Davon sollte man sich aber nicht abschrecken lassen, da dies den Spielregeln bei Alternate geschuldet ist: Klickt ein User den Bestellbutton, wird das Produkt in seinen Warenkorb gelegt und eine Viertelstunde für ihn gesperrt.Bestellt der Benutzer in dieser Zeit nicht, wird das Produkt wieder freigegeben. Das führt dazu, dass direkt nach Mitternacht zahlreiche User auf gut Glück ein Produkt reservieren und erst dann gucken, ob es sich auch lohnt.

Zusätzlichen Live Shopping-Druck erzeugt der animierte Bestellknopf. Sind keine Produkte mehr verfügbar, verschwindet dieser noch während man die Seite ansieht.

Alternate Zackzack

Ich habe den Alternate-Service letzte Woche mal getestet und ein paar Boxen gekauft. Der Preis war sehr gut: 22 Euro statt 30 Euro beim günstigsten Vergleichsangebot. Das Produkt war dann auch mittags ausverkauft. Bezahlt habe ich per Vorkasse. Sehr gut fand ich die Informationen, die Alternate zum Bestellstatus verschickte. Die Hinweise kamen nicht nur per Email sondern auch gleich noch als SMS. Da kann man dann auch verschmerzen, dass Alternate nicht die schnellsten mit ihrer Logistik sind: Vom Geldeingang bis zur Bearbeitung des Auftrags dauerte es einen Tag. Einen weiteren dauerte es, bis das fertige Paket dann abgeholt wurde. Da sind andere schneller, aber es liegt immer noch im Rahmen.

Für mich hat sich die Bestellung auf alle Fälle gelohnt und ich werde den Zackzack weiter beobachten.

myby startet Live-Shopping-Angebot

Seit nun mehr sechs Monaten gibt es myby, das Elektronikportal von Arcandor und Axel Springer. Nachdem man am Anfang noch ein wenig mit der Produktbeschaffung zu kämpfen hatte (die Auswahl am Anfang war doch eher bescheiden), hat man sich inzwischen recht gut etabliert. Da bleibt Zeit auch mal an den Ausbau der Plattform zu denken. Zur Cebit gab es ein neues Design und einige zusätzliche Funktionen (z. B. myby TV).

Seit Anfang April gibt es jetzt auch ein Live-Shopping-Angebot: Das MYLIGHT des Tages. Jeden Tag von 12 Uhr bis Mitternacht gibt es ein spezielles Angebot in begrenzter Stückzahl. Bisher wird dort nur das Angebot präsentiert – Features drumherum, wie z. B. Kommentare und Produktbewertungen, gibt es zur Zeit noch nicht. Aber was nicht ist, kann ja noch werden.

E-Commerce Wundertüte

Die Wundertüte – aus meiner Kindheit kenne ich noch die Version, die es im Zeitungsladen für kleines Geld gab und in der sich allerhand Krimskrams befand. Ich weiss gar nicht, ob man solche Wundertüten heute auch noch bekommt.

Auf den verschiedenen Live-Shopping-Portalen gibt es heute aber ein ganz ähnliches Prinzip. Der Kunde kauft eine Wundertüte oder ein Überraschungpaket ohne den genauen Inhalt zu kennen. Im Gegensatz zu der klassischen Wundertüte aus dem Zeitungsladen kostet diese allerdings wesentlich mehr. Und die Kunden machen es mit. Im stationären Handel könnte man sich das kaum vorstellen.

Vorbild für diese Aktion ist wie immer Woot!. Dort gab es schon mehrere dieser Aktionen und sie waren eigentlich immer sehr schnell vergriffen. Auch in Deutschland gab es schon mehrere Überraschungsaktionen. Vor nicht all zu langer Zeit gab es z.B. eine Wundertüte bei Schutzgeld.de. In Deutschland hat der Kunde auch noch den Vorteil, dass natürlich auch für Wundertüten das 14-tägige Rückgaberecht gilt.

Sportlet Wundertüte

Heute bietet Sportlet ebenfalls eine Wundertüte an. Für knapp über 30,- Euro gibt es ein paar Adidas-Schuhe. Allerdings steht nicht fest, welche Schuhe man bekommt. Nur die Größe kann man festlegen.

Jetzt warte ich mal auf meine Überraschungstüte. Mal schauen, was es gibt!

Barcamp: Preisbock

 

Nächste Session, nächstes Thema: Preisbock. Christian Grötsch (dotSource, Handelskraft, Preisbock Newskraft) berichtete über seine Erfahrungen seit Beginn der Live-Shopping Site Preisbock.

Ein spannender Bericht über den Start eines kleinen Unternehmens. Im Gegensatz zum Original aus den USA (Woot) und einigen anderen deutschen Live-Shopping Seiten hat Preisbock bisher keinen eigenen Einkauf. Alle Produkte werden bisher von anderen Händlern bezogen.

Insbesondere seit Anfang Januar entwickelt sich das Geschäft sehr stark. Innerhalb einer kurzen Abfolge zuerst ein Artikel über Live-Shopping Konzepte auf Spiegel Online erschien und anschließend Preisbock auch noch in den 20Uhr-Nachrichten auf RTL2 erwähnt wurde. Dadurch vervielfachte sich der Traffic auf der Seite in kürzester Zeit und auch der Umsatz stieg auf ein Vielfaches.

Ziel von Preisbock für Zukunft ist es, sich unter den TOP3 Live-Shopping Portalen in Deutschland zu etablieren.

Ich muss mir die Seite nochmal gesondert ansehen und über Details schreiben.

Bye, Bye Cyberport.24 – Funktioniert Live-Shopping in Deutschland nicht?

Mit Cyberport.24 schließt heute der erste Woot!-Klon in Deutschland nach rund 8 Monaten wieder seine Pforten. Im Cyberbloc schreibt Sven Kaulfuß über Gründe, die zum Scheitern der Live-Shopping Plattform führten.

Zwei dieser Gründe möchte ich hier herauspicken:

  1. Cyberport.24 hatte keinen eigenen Einkauf, viele der Produktaktionen rekrutierten sich aus den Ladenhütern des Cyberport-Shops. Es scheint, dass Ladenhüter auch durch ein Live-Shopping-Erlebnis nicht zu Überfliegern werden. Ich hätte es gerne mal mit attraktiverer Ware gesehen.
  2. Die Geizhalsmentalität in Deutschland. Vor den meisten Anschaffungen wird der Cent mindestens zweimal herumgedreht. Dadurch war Cyberport.24 bei den Abverkäufen nur wirklich erfolgreich, wenn man extrem niedrige Preise aufrief und damit von vornherein einen Verlust mit einkalkulierte. Vielleicht hätte auch hier die attraktivere Ware zu einer größeren Entscheidungsfreudigkeit der Benutzer führen können.

Soviel zu den Problemen. Andersherum würde ich zu gerne wissen, ob es z.B. Multi-Channel-Effekte gab: Besucher, die über Cyberport.24 in den Cyberport-Shop gekommen sind. Diese Effekte lassen sich leider meist nur schwer nachvollziehen. Ich denke aber, dass Cyberport.24 als Marketing-Konzept sicher erfolgreich war.

Alles in allem sehr schade um eine doch herausragende Live-Shopping-Idee. Mal sehen, wie sich die anderen schlagen.

Das neben Cyberport.24 bei mir meist besuchte Live-Shopping-Portal ist übrigens Sportlet.

Zum Abschied: “Die Show muss weitergehen!”

(via Basic Thinking)