Woher kommt Amazons Erfolg?
Vor gut einer Woche führte Amazon in Deutschland die Versandpauschale Amazon Prime. Gestern stellte Jeff Bezos (CEO und Gründer von Amazon) in den USA Amazons neuen E-Book-Reader Kindle vor. Nur zwei von zahlreichen Innovationen und Strategien, mit denen Amazon versucht seine Kunden bei der Stange zu halten. Gleichzeitig ist Amazon Vorbild für zahlreiche andere Händler, die versuchen den erfolgreichsten Online-Retailer nachzuahmen.
Was ist es also, das Amazon treibt? Warum ist Amazon erfolgreich?
Ein paar Antworten hierauf gibt Jeff Bezos in einem Interview im aktuellen Harvard Business Manager. Einen sehr wesentlichen Beitrag zur Innovationsfreude spielt natürlich die Unternehmenskultur. Während viele Unternehmen wettbewerbsorientiert ausgerichtet sind, steht bei Amazon laut Bezos nur ein Prinzip ganz oben: Die Kundenorientierung. Bei strategischen Entscheidungen stellt man sich daher als erstes die Frage, was für den Kunden am besten ist.
Nur so kann man z.B. die Entscheidung erklären, dass man die eigene Plattform für andere Händler öffnete und sie gegen die eigenen Einkaufsabteilungen konkurrieren lässt. Dabei geht man bei Amazon so weit, dass, wenn ein Händler günstiger als Amazon ist, sein Angebot mit dem Bestellknopf auf der Produktdetailseite verlinkt wird und nicht das Amazon-eigene – alles zum Wohle des Kunden.
Nun bekommt man eine Organisation nicht von vornherein komplett darauf eingeschworen, dass sie sich nur am Wohle des Kunden orientiert. Amazon hat hierfür zahlreiche Programme, so dass z.B. die meisten Mitarbeiter für eine Zeit im Kundenservice verbringen müssen und so direkten Kontakt zum Kunden haben. Die Devise hier ist erstmal einfach: Jeder Mitarbeiter muss in der Lage sein, im Call Center einen Kunden zufriedenzustellen. So muss auch das Management innerhalb einer bestimmten Zeit seine Kenntnisse in der Kundenbetreuung immer wieder auffrischen.
Warum verhält sich Amazon anders als andere große Versandhändler?
Über die Wurzeln von Amazons Verhalten kann man nur Mutmaßen. Eine wesentliche Rolle dürfte spielen, dass man Amazon ein Vorreiter in einer noch jungen Branche war. Dass man sich nicht am Wettbewerb orientiert, könnte darauf zurückzuführen sein, dass es gerade in der Anfangszeit noch nicht viele gab und man im Gegensatz zu vielen anderen halt kein Standbein im stationären Handel oder im Katalogversand hatte. Also musste man sich einen anderen Fixpunkt suchen und dabei liegt natürlich nichts näher als sich an den Kunden zu orientieren.
Mein Fazit: Liebe Händler, versucht nicht, Amazon hinterherzurennen. Fragt euch lieber, was gut für eure Kunden ist. Als Orientierung kann Amazon dabei sicher dienen.
Mehr interessante Einsichten dazu findet man in der aktuellen Ausgabe des Harvard Business Managers. Ein Muss für alle Business-Verantwortlichen und E-Commerce Berater.
Quelle: Harvard Business Manager, November 2007, “Optimistisch aus Prinzip”, S. 22ff.



