Bonitätsprüfung

Da ich letzte Woche auf einer interessanten Veranstaltung von Arvato Infoscore war und nächste Woche einen Vortrag auf dem Payment-Kongress halte, beschäftigt mich gerade das Thema Bonitätsprüfung.

Das Szenario für einen Online-Shop ist ja denkbar einfach: Möchte ein Kunde im Shop bestellen, schickt der Shop möglichst vor der Auswahl der Bezahlmethoden den Namen und die Anschrift an einen Dienstleister, der mir dann einen Scoring-Wert zum Kunden liefert. Der Scoring-Wert hat überwiegend drei Entsprechungen:

  • Neutral bzw. der Kunde ist unbekannt: Es gibt keine Bonitätsinformationen zum Kunden.
  • Geringes bis durchschnittliches Risiko: Es liegen Informationen vor aber keine Beanstandungen.
  • Überdurchschnittliches bis sehr hohes Risiko: Es liegen negative Informationen aus der Vergangenheit oder aktuelle Negativinformationen vor.

Je nach Scoring-Wert kann der Online-Shop dann entsprechend risikoarme (wie z.B. Vorauskasse) oder risikoreichere (z.B. auf Rechnung) Zahlungsmethoden anbieten.

Um die Scoring-Werte zu verbessern arbeiten die Dienstleister heute oft mit ausgeklügelten Data-Mining-Methoden.

Denkt man allerdings mal genauer nach, kann man sich schon die Frage stellen, ob das Scoring während der Bestellung das Optimum darstellt, schließlich lässt der Bonitätsdienstleister wesentliche Informationen ungenutzt.

In vielen Shops werden daher zusätzliche Regeln genutzt. So hat sich z.B. bei einigen Shops bewährt, Bestellungen, die knapp unter dem Maximum für die Bezahlart „offene Rechnung“ liegen auf eine Prüfliste zu setzen und genauer unter die Lupe zu nehmen.

Auch die Zusammensetzung des Warenkorbs sollte genauer beobachtet werden: Mir hat mal jemand erzählt, dass bei Online-Apotheken die Kombination aus Babynahrung und Vitramintabletten mit einer großen Wahrscheinlichkeit auf einen Betrugsversuch hindeutet.

Bildlich sollte man sich das vielleicht wie in einem stationären Kaufhaus vorstellen. Dort gibt es einen Kaufhausdetektiv, der potenzielle Ladendiebe dadurch erkennt, welche Regale diese ansteuern. Und er erkennt sie nicht nur daran, welche Regale sie ansteuern, sondern auch an ihrem Verhalten.

„Verhalten beobachten“ ist meiner Meinung auch das Stichwort für die Zukunft der Betrugserkennung. Ich bin mir sicher, dass in Zukunft auffällige Online-Shop-Nutzer (bestimmte Warengruppen, die Art wie sie sich durch den Shop bewegen) in Echtzeit durch entsprechende Data-Mining-Algorithmen erkannnt werden. Diese haben Zugriff auf die gesamte Datenbank des Online-Shops und können damit das Verhalten einzelner Nutzer vergleichen. Es wird also einen virtuellen Online-Shop-Detektiv geben. Dieser wird dann mit Sicherheit nicht die Bestellung verbieten, aber eben nur bestimmte Bezahlarten zulassen.

Zahlungsmethoden in Deutschland

Die Bitkom hat aktuell eine Pressemeldung zu den in Deutschland im E-Commerce genutzten Zahlungsmethoden veröffentlicht. In der Umfrage von Bitkom und Forsa wurden Internetnutzer gefragt, mit welchen Zahlungsmethoden sie schon mal einen Online-Kauf bezahlt haben.

Ganz oben auf der Liste stehen die Bezahlung per Rechnung und per Vorkasse. Jeweils 31% Prozent der Befragten haben die Methoden bereits genutzt.

Es folgen die Bezahlung per Einzugsermächtigung (18%) und Nachnahme (16%). Per Kreditkarte haben erst 15% der Befragten bezahlt. Internetbezahlsysteme wie Paypal, T-Pay und Click&Buy wurden von 11% genutzt.

Mich wundert ein wenig, dass die Bezahlung per Kreditkarte nur so gering genutzt wurde und nur kaum mehr Zuspruch fand als die Internetbezahlverfahren. Ich bezahle online eigentlich ausschließlich mit Kreditkarte.

PayPal wird zur Mainstream-Zahlungsmethode

Bisher wurden die Account-basierten Zahlungssysteme wie PayPal ja überwiegend zum Einkaufen bei Ebay oder in sehr kleinen Online-Shops genutzt. Bei den großen Shops spielten sie mehr oder weniger keine Rolle.

Doch die Wahrnehmung hat sich innerhalb des letzten Jahres stark geändert. Den Weg hierfür hat wohl Google im letzten Jahr bereitet. Man versuchte damals in den USA während des Weihnachtsgeschäftes mit massiven Werbeausgaben Marktanteile für Google Checkout gewinnen. Die Online-Händler sprangen danken auf den Zug auf. Der Anteil von Google ging zwar mit dem kürzen des Werbeetats ebenfalls wieder zurück, aber der Weg für Zahlungsalternativen scheint seitdem einfacher.

PayPal und Google Checkout

PayPal setzte nun in diesem Jahr viel daran, seinen Service zu professionalisieren und große Händler anzugehen, was auch glückte. In den USA bieten zum diesjährigen Weihnachtsgeschäft gleich mehrere große Anbieter die Möglichkeit via PayPal zu bezahlen und kombinieren dies mit verschiedenen Werbeaktionen. Bei Blue Nile, ein Online-Juwelier, wird schon jetzt mehr über PayPal bezahlt, als ursprünglich erwartet.

In Deutschland sind die großen Händler zwar noch ein wenig zurückhaltender, aber ich denke sie werden im nächsten Jahr ebenfalls folgen. Ein wesentlicher Antrieb in den USA wie in Deutschland dürfte die Möglichkeit sein, Einsparungen gegenüber der herkömmlichen Kreditkartenzahlung erzielen zu können.

Gleichzeitig sind die Zahlungsanbieter dabei, ihre Möglichkeiten zu erweitern. So ist man bei PayPal dabei zusammen mit Mastercard eine Möglichkeit zu schaffen, mit der PayPal-Kunden in jedem Online-Shop bezahlen können, in dem Mastercard akzeptiert wird. Auch wenn dafür eine extra Software installiert werden muss, hört sich das sehr interessant an.

Der Markt der Zahlungsanbieter ist stark in Bewegung und es werden sich für Händler hier noch einige Möglichkeiten eröffnen.

Quelle: New York Times, E-Commerce Report, “Retailers Explore New Ways of Being Paid”, 19.11.2007

TOP5 der Bezahlmethoden im Web in Deutschland

Die BITKOM hat in Zusammenarbeit mit Forsa die in Deutschland am meisten genutzten Zahlmethoden erfragt. Am beliebtesten ist immer noch die Lastschrift, gefolgt von Rechnungskauf und Kreditkartenzahlung. Online-Zahlungssysteme, wie z.B. eine Paypal, nutzt nur jeder zehnte Internetnutzer.

Bitkom - Bezahlmethoden im Web

Das Ergebnis der Umfrage macht klar, dass Händler weiterhin mehrere Bezahlmethoden im Portfolio haben sollten, um ihre Kundschaft möglichst optimal bedienen zu können.

Amazon bietet Online-Bezahlungsdienste an

Mit Amazon bietet jetzt auch das dritte große E-Commerce-Unternehmen seinen eigenen Bezahldienst an und vervollständigt damit das Triumvirat: Ebay hat Paypal, bei Google wird mit Google Checkout bezahlt und Amazon bietet die Amazon Flexible Payment Services (Amazon FPS) an.

Paypal Google Checkout Amazon FPS

Es fehlen eigentlich nur noch Microsoft und Yahoo mit einem Payment-Angebot.

Es gibt wohl nur wenige Bereiche im E-Commerce, in dem sich so viele Anbieter tummeln, wie im Payment. Dies liegt nicht zu letzt daran, dass das Geschäft mit der Zahlungsdienstleistung sehr lukrativ ist. In einem Markt mit den buntesten Namen haben die großen E-Commerce Marken durch Bekanntheit und Seriösität einen wesentlichen Vertrauensvorsprung.

Die Nase vorn hat im Moment PayPal.

Sichere und einfache Bezahlung ist wichtiger Faktor

Acht von zehn Online-Käufern würden laut einer Studie von Javelin Strategy and Research mehr Geld ausgeben, wenn sie sicherere, komfortablere Zahlungsmethoden zur Verfügung hätten (Quelle: eMarketer).

Faktoren, die US Internet-Nutzer zu mehr Einkäufen beeinflussen würden

Eine alternative Zahlungsmethode, die sich langsam aber sicher den Weg in immer mehr Online-Shops bahnt, ist sicher PayPal. Eine Funktion wie die Express-Kaufabwicklung kann hier sicherlich hilfreich sein. Der Kunde muss beim Einkauf weder Kunden- noch Zahlungsdaten im Shop eingeben. Er muss sich nur in seinen PayPal-Account einloggen, der Rest geschieht automatisch im Hintergrund.

Den Newsletter von eMarketer kann ich übrigens jedem empfehlen.

PayPal erwirbt Banklizenz und möchte Durchstarten

Die Banklizenz hat PayPal von der luxemburgischen Aufsichtsbehörde erworben. Als ersten Schritt möchte PayPal seine Europazentrale nach Luxemburg und damit in die EU verlegen (wenn das mal nicht steuerlichen Gründen geschuldet ist).

Für die Zukunft hat man sich sportliche Ziele gesetzt: In jedem Online-Shop Europas möchte man als Zahlungsmethode verfügbar sein.

(via Heise)

Google Checkout vs. PayPal

Im letzten Jahr ging Google Checkout als Bezahlsystem in den USA an den Start. Seit Kurzem ist es als Zahlungsmethode auch in UK verfügbar und wird wohl auch bald in Deutschland durchstarten.

In den USA hat Google das System massiv gepusht. Dies tat man insbesondere durch Gutscheine, die an Kunden vergeben wurden. Compete.com hat jetzt einen interessanten Graphen zum Marktanteil von Google Checkout in den USA veröffentlicht.

Google Checkout vs. PayPal

Es ist deutlich zu erkennen, dass mit dem Zurückfahren der Werbeaktionen auch der Marktanteil von Google Checkout wieder gesunken ist. Die Kunden nutzten also die Gutscheine, kehrten danach aber wieder zu angestammten Bezahlverfahren zurück und damit nicht zuletzt zu PayPal. Es scheint, dass man bei PayPal gute Vorarbeit geleistet hat. Selbst Analysten empfehlen Händlern über den Einsatz von PayPal nachzudenken.

Ich bin gespannt, wie sich Google Checkout in Europa und insbesondere in Deutschland machen wird. Bisher sind ja Account-basierte Zahlungssysteme hierzulande weniger in den großen, bekannten Online-Shops zu finden. Aber auch hier ist PayPal im Moment auf dem Vormarsch. So kann man z.B. bei buch.de und Blume 2000 online schon mit PayPal bezahlen. Weitere werden sicher folgen. Es wird also eng für Google Checkout.

(via Marketing Pilgrim)

Studie: Bezahlsysteme im E-Commerce

Die Deutsche Bank Research hat eine Studie zu Bezahlsystemen im E-Commerce herausgegeben.

Die Studie stellt fest, dass auch im E-Commerce die aus dem stationären Handel bekannten, klassischen Bezahlsysteme dominieren (Vorauskasse, Rechnung, Nachname, Lastschrift, Kreditkarte). Das einzige innovative, neue Bezahlsystem, dass in diese Phalanx vordringen kann, ist PayPal. Andere Bezahlsysteme spielen nur in Nischen eine Rolle.

Die Ergebnisse der Studie kann ich nur bestätigen. Die meisten Anfragen, die ich von Kunden bezüglich Bezahlsystemen bekomme, drehen sich um die klassischen Zahlverfahren.

(via Heise)